
über einen Zeitraum von mittlerweile sechs Jahren kann ich Ihnen an dieser Stelle Rekordergebnisse vermelden – so auch heute. Unseren Jahresüberschuss haben wir im Jahr 2000 um 81 % auf 365 Mio. EUR gesteigert. Dies gilt entsprechend für den Gewinn je Aktie, der von 6,86 EUR auf 12,38 EUR angestiegen ist. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern belief sich damit auf 26 %, und wir beabsichtigen, der Hauptversammlung zum siebten Mal in Folge eine Erhöhung der Dividendenausschüttung vorzuschlagen.
Nachdem sich die deutsche Versicherungswirtschaft noch im Jahr 1999 über Benachteiligungen durch die Steuergesetzgebung zu beklagen hatte, wirkte sich im vergangenen Jahr die Senkung der Körperschaftsteuersätze für einige Gesellschaften einmalig sehr positiv aus. Dies trifft auch für uns zu und soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser operatives Ergebnis rückläufig war. Insgesamt aber ist der Standort Deutschland im Hinblick auf seine bisherigen steuerlichen Nachteile wettbewerbsfähiger und damit auch langfristig attraktiver geworden.
Unsere Bruttoprämien sind im Geschäftsjahr wieder deutlich angestiegen, und zwar um 24 % auf 8,3 Mrd. EUR. Nach einer längeren Phase unattraktiver Marktverhältnisse ergaben sich nun auch wieder in der Schaden-Rückversicherung in ausgesuchten Teilmärkten profitable Wachstumsmöglichkeiten, die wir für uns zu nutzen wussten. So konnten im Berichtsjahr die Schaden-Rückversicherung, die Finanz-Rückversicherung und das Programmgeschäft spürbar zum Wachstum beitragen. Bereinigt um einen Sondereffekt des Vorjahrs und Auswirkungen der Anwendung amerikanischer Rechnungslegungsvorschriften (US GAAP), ist auch das vierte Geschäftsfeld, die Personen-Rückversicherung, wieder sehr erfolgreich gewachsen.
Die Ergebnisse unserer vier Geschäftsfelder waren von sehr unterschiedlicher Qualität. Hier bestätigte sich, wie wichtig es strategisch ist, auf verschiedene Ertragsquellen zurückgreifen zu können. So konnten wir in einer Situation, in der das Ergebnis eines Geschäftsfelds weit hinter den Erwartungen zurückblieb, unter dem Strich wiederum befriedigende Gesamtergebnisse erwirtschaften. In der Personen-Rückversicherung zahlen sich jetzt die Investitionen der vergangenen Jahre aus. Der operative Gewinn stieg hier um 78 % auf 83 Mio. EUR. Wenn man zusätzlich die Entwicklung des Portefeuillewerts berücksichtigt, ist das Ergebnis sogar noch erfreulicher. Das Gleiche gilt für die Finanz-Rückversicherung: Unser renditestärkstes Segment konnte das hohe operative Vorjahresergebnis noch einmal deutlich auf 54 Mio. EUR steigern.
In der Schaden-Rückversicherung gingen zwar die Belastungen aus Katastrophenschäden sehr stark zurück, dennoch litten die Ergebnisse unter den Nachwirkungen der Vorjahre, so dass wir nur eine leichte Verbesserung der Ergebnisse erzielen konnten. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote – als Indikator für die Qualität des Geschäfts – verbesserte sich von 111 % auf 108 %. Unser viertes und jüngstes Geschäftsfeld, das Programmgeschäft, enttäuschte im Berichtsjahr. Dieses Segment wird nach wie vor von der Clarendon Insurance Group in New York dominiert. Trotz eines zielgerichteten und sehr erfolgreichen Wachstums machten sich die Anfang 2000 noch unzureichenden Bedingungen auf den amerikanischen Erstversicherungsmärkten auch in unseren Ergebnissen bemerkbar. Darüber hinaus kam es zu zwei belastenden Einmaleffekten, die dafür sorgten, dass das Programmgeschäft im Konzern lediglich mit einem leicht positiven Ergebnis abschloss. Wir haben mittlerweile alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um auch hier in Zukunft wieder die erwarteten Gewinnbeiträge zu erreichen. Dass sich in den USA inzwischen sowohl die Preise als auch die Bedingungen in vielen Marktsegmenten verbessert haben, bestärkt uns in diesem Optimismus.
Die Finanzmärkte bescherten uns im vergangenen Jahr einige Turbulenzen. Im ersten Halbjahr haben wir die teilweise extremen Kursentwicklungen – insbesondere bei den Technologiewerten – dazu genutzt, Gewinne zu realisieren. Auf diese Weise erreichten die außerordentlichen Erträge fast wieder das hohe Vorjahresniveau. Zusammen mit deutlich gestiegenen laufenden Erträgen erhöhte sich das Kapitalanlageergebnis noch einmal um 5 %. Dennoch wird es meines Erachtens in naher Zukunft in der Erst- und Rückversicherung kaum mehr möglich sein, unzureichende versicherungstechnische Erträge durch nicht verlässliche außerordentliche Erträge im Kapitalanlagebereich auszugleichen. Diese Entwicklung kommt denjenigen Marktteilnehmern zugute, die schon bisher großen Wert auf eine ertragsorientierte Zeichnungspolitik gelegt haben; sie zwingt dazu, weiterhin Underwriting-Disziplin zu üben – insbesondere in der Schaden-Rückversicherung.
Das Ende der Euphorie um die Technologiewerte in den verschiedenen "Neuen Märkten" bedeutete zugleich den Anfang der "Wiederentdeckung" unserer Aktie als ein fundamental attraktiver Wert. Mit einer Steigerung um 24 % im Berichtsjahr entwickelte sich der Kurs endlich wieder parallel zu den Geschäftsergebnissen. Leider konnten wir uns vom allgemein negativen Trend zum Ende des vergangenen und zu Beginn dieses Jahres nicht abkoppeln, so dass wir wieder an Wert verloren haben. Auf der Basis der Konsensschätzung der Analysten für das laufende Jahr wird die Hannover Rück-Aktie derzeit zu einem Kurs-/Gewinnverhältnis von 9,8 gehandelt. Dieser Wert macht – auch im Vergleich zu ähnlichen Börsenwerten – das hohe Potenzial deutlich, das weiterhin in unserer Aktie steckt.
Ein besonders erfreuliches Feedback zu unserer Investor Relations-Arbeit haben wir über das Wirtschaftsmagazin "Capital" von den Finanzanalysten erhalten, nämlich den "Capital-Investor-Relations-Preis 2000". In Zusammenarbeit mit der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) waren die Finanzanalysten nach ihrer Beurteilung der Unternehmen im Hinblick auf die Kriterien Zeitnähe, Glaubwürdigkeit und Qualität der Informationen befragt worden. Auf der Basis dieser Untersuchung wurde die Investor Relations-Arbeit der Hannover Rück als beste in ihrem Marktsegment, dem MDax, ausgezeichnet. Darüber hinaus belegten wir in einer Gesamtbewertung aller 237 betrachteten Unternehmen den dritten Platz und übertrafen damit alle Euro Stoxx 50- und Dax-Werte.
Nachdem bereits das Jahr 1999 von einem positiven Steuereffekt beeinflusst war, ist es für Außenstehende inzwischen schwierig geworden, die wahre Ertragskraft unseres Konzerns zu beurteilen und zu erkennen, ob wir unsere Unternehmensziele auch tatsächlich erreichen. Dies gilt besonders auch für das laufende Jahr, in dem der hohe Einmaleffekt des Berichtsjahrs entfallen wird. Wir kommunizieren bereits seit Jahren offen unser vorrangiges Ziel, den Gewinn je Aktie jährlich um mindestens 10 % zu steigern. Da die beiden vergangenen Jahre eine verzerrte Basis darstellen, kann eine konsistente Betrachtung nur auf dem letzten "regulären" Abschluss, dem Jahr 1998, aufsetzen. Es muss daher unser Ziel sein, für das Jahr 2001 eine Steigerung des Jahresüberschusses von drei Mal 10 % auf der Basis der Ergebnisse des Jahres 1998 zu erreichen. Gleichzeitig sehen wir es nach wie vor als unsere Aufgabe an, eine attraktive Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Ziele erneut erreichen, wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse im Bereich der Katastrophenschäden oder an den Kapitalmärkten eintreten.
Seit der Umstellung auf Namensaktien Ende letzten Jahres haben wir detaillierte Kenntnisse über unsere Aktionärsstruktur. Als international agierendes Unternehmen sehen wir es als sehr positiv an, dass bereits jetzt mehr als die Hälfte der frei gehandelten Aktien von internationalen Investoren gehalten wird. Dies bestätigt unsere Strategie, mit den Investor Relations-Maßnahmen eine möglichst breite Investorenbasis anzusprechen. Dennoch gibt es immer noch Potenzial, unsere Aktionärsbasis weiter zu diversifizieren. Dieses wollen wir nutzen, um eine angemessene Börsenbewertung Ihres Unternehmens sicherzustellen.
Verehrte Aktionäre, ich danke Ihnen auch im Namen meiner Vorstandskollegen für Ihr Vertrauen in unsere Gesellschaft. Ich versichere Ihnen, dass wir dieses Vertrauen rechtfertigen werden; wir werden weiterhin alles daran setzen, den Wert Ihres Unternehmens nachhaltig zu steigern.
Mit freundlichen Grüßen

Wilhelm Zeller
Vorsitzender des Vorstands